
Die Bibel lesen
Bevor wir beginnen, stellen wir einen Punkt klar: Sie können die Bibel verstehen, es sei denn, Sie sperren sich innerlich dagegen.
Grundsätzliches:
1. Lesen Sie die Bibel täglich. Sie ist Nahrung für Ihre Seele. Auch Ihre Seele braucht "Vitamine" - genau wie Ihr Körper. Wenn Sie einen Tag verstreichen lassen, ohne die Bibel zu lesen, hungert Ihre Seele und wird schwach. Das hat Nebenwirkungen auf Ihren Glauben, Ihre Hoffnung und Ihre Liebe.
2. Aber: Lesen Sie bitte nicht sieben Kapitel am Montag und dann die ganze Woche gar nichts mehr. Sie nehmen doch auch nicht 21 Mahlzeiten auf einmal ein, um dann den Rest der Woche zu fasten.
3. Wenn Sie beispielsweise fortlaufend jeden Tag ein biblisches Kapitel lesen, ist das eine gute Sache. Ist das Kapitel lang oder inhaltlich schwierig, können Sie es aufteilen. Dafür gibt es keine feste Regel. Wohl aber, wenn es um die Regelmäßigkeit geht: Sie sollten sich am besten einen festen Termin in Ihrem persönlichen Tagesablauf für das Bibelstudium frei halten und den dann auch einhalten. Es sollte eine Zeit sein, in der Sie ungestört und aufnahmefähig sind.
4. Lesen Sie die Bibel systematisch. Weil die Bücher der Bibel sehr verschieden sind, ist es nicht empfehlenswert, mal hier etwas zu lesen und dann ein paar Verse dort. Beginnen Sie mit dem Neuen Testament in folgender Reihenfolge: Markusevangelium, Johannesevangelium, Apostelgeschichte, Römer, 1. Korinther, Galater, Lukasevangelium, 2.Korinther, Epheser, Philipper, Titus, Kolosser, 1. Johannes, Matthäusevangelium, Jakobus, 1.+2. Timotheus, 1.+2. Petrus, Hebräer, Judas, Philemon, 1.,2.+3. Johannes, Offenbarung. Angenommen, Sie lesen durchschnittlich jeden Tag ein Kapitel, dann brauchen Sie nur etwa neun Monate, um das NeueTestament durchzuarbeiten. So bekommen Sie einen Gesamtüberblick und können beim nächsten Durchgang einzelne Bücher vertiefen.
5. Lesen Sie die Bibel mit Geduld. Manche Ausdrücke und Wörter sind schwer auszusprechen und zu verstehen. Vieles erscheint Ihnen vielleicht ungewohnt. Die Namen der Geschlechtsregister in den ersten Kapiteln der Evangelien sind wenig interessant. Manchmal werden Sie den Zusammenhang nur schwer verstehen, weil Ihnen die Bedeutung einiger Worte unklar ist. Das alles ist ganz natürlich und hat nichts mit einem Mangel an Eifer, Durchblick und Willen Ihrerseits zu tun. Weil sich die Bibel in ihrer Gesamtheit ergänzt, kann es sein, dass Sie z.B. beim Lesen des Römerbriefes Dinge verstehen, die Ihnen während des Markusevangeliums noch unklar waren. Haben Sie Geduld!
6. Lesen Sie die Bibel betend. Die Bibel ist keine Zeitschrift und auch kein Roman. Sie ist ein Buch voller Kraft und Inspiration. Sie ist Gottes Wort und somit in der Lage, Ihr Leben zu führen und zu verändern. In ihr entdecken Sie Gottes Lebensweise. Und manchmal zeigt er Ihnen, während Sie einen Abschnitt lesen, seinen Willen für Sie für diesen Tag. Nur durch die Bibel lernen Sie Jesus kennen. Ohne ihn zu kennen, können Sie ihm nicht nachfolgen. Deshalb bringt ein gelegentliches, oberflächliches oder gar gleichgültiges Bibellesen nichts. Um das zu vermeiden, beginnen Sie am beten mit einem Gebet, bleiben Sie auch während des Lesens mit Gott im Gespräch. Bitten Sie ihn, dass er Ihnen die Bedeutung der Verse erläutert. Er lässt Sie nicht im Stich. Klappen Sie auch nicht einfach die Bibel zu, wenn Sie den Text gelesen haben, sondern denken Sie über das Gelesene nach: Was genau steht in dem Abschnitt? Wofür kann ich Jesus danken? Was muss sich bei mir ändern? Was soll ich heute von dem, was ich gelesen habe, tun?
7. Lesen Sie die Bibel immer wieder. Wenn einer sagt, er brauche die Bibel nicht mehr, weil er sie schon einmal durch habe, dann braucht er auch heute nichts zu essen, weil er gestern satt war. Nein, die Bibel bietet so viele Wahrheiten, dass Sie sie unmöglich alle bei einem einmaligen Lesen erfassen könnten. Manches spricht Sie vielleicht heute nicht an, aber morgen kann es genau das richtige Wort zur Lage sein.
8. Zum Beispiel: Sie fühlen sich fit und belastungsfähig und lesen zum ersten Mal das elfte Kapitel des Hebräerbriefes. Dann werden Sie wohl kaum die volle Bedeutung von "Glauben" verstehen. Aber wenn Sie es in oder nach gefährlichen Versuchungen und Schwierigkeiten lesen, werden Sie die Kraft und Tiefe der Lebensbilder entdecken.
9. Oder Sie lesen gerade in Römer 12,14 (Luther-Übersetzung): "Segnet, die euch verfolgen; segnet und flucht nicht." Vielleicht sagen Sie zunächst: Das betrifft mich nicht. Damit sind bestimmt die großen Glaubenshelden gemeint. - Wenn aber einmal Zeiten kommen, in denen Menschen Sie ablehnen, falsch beschuldigen und gar verfolgen, werden Sie den Vers als große Möglichkeit und Herausforderung empfinden. Die Bibel ist so gewaltig, tief und weit, dass ein ganzes Leben nicht ausreicht, um alles zu verarbeiten.
Noch einige praktische Ratschläge:
1. Markieren Sie sich mit einem Stift die Verse, die Ihnen besonders viel bedeuten oder auch die, die sie noch nicht verstehen. Es hat sich bewährt, Hauptaussagen in verschiedenen Farben anzustreichen. Rot werden z.B. die Bibelstellen, die von Jesus sprechen, grün die Aussagen für Ihr Leben als Christ ...
2. Es ist gewinnbringend, wenn Sie sich Ihre Gedanken zu den einzelnen Kapiteln in ein Notizbuch schreiben. Das brauchen keine ausgefeilten Sätze zu sein. Sie wollen schließlich kein Buch veröffentlichen, sondern nur festhalten, was Ihnen wichtig ist, welche Zusammenhänge bestehen ...
3. Beschäftigen Sie sich erst gründlich mit dem ganzen Neuen Testament. Damit legen Sie eine gute Grundlage. Wenn Sie dann mit dem Alten Testament beginnen, empfehlen wir Ihnen vorerst die Psalmen und die Geschichtsbücher. Und anschließend können Sie auch die restlichen Teile der Bibel einordnen.
"Gottes Wort ist voller Leben und Kraft. Es ist schärfer als die Klinge eines zweischneidigen Schwertes; dringt es doch bis in unser Innerstes, trennt dort Menschliches von Göttlichem und trifft uns tief in Mark und Bein. Dieses Wort ist ein unbestechlicher Richter über die Gedanken und geheimsten Wünsche unseres Herzens." (Hebräer 4,12)
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